Freitag, 9. Januar 2009

Kritik unerwünscht

Ein gutes Beispiel wie man in Hoffenheim mit Kritik umgeht ereignet sich im Herbst 2008. Am 24.09.2008 veröffentlichte Lorenz Maroldt einen kritischen Kommentar unter dem Titel „Erste Liga, zwei Klassen“ über Hoffenheim im Tagesspiegel. Da der Kommentar das Prädikat „besonders Wertvoll“ verdient, ist er auch zurecht im Blog unter „Links zu wichtigen externen Artikeln“ zu finden. Aber weiter im Text. Was war nun der Aufreger, der eine kleine Lawine auslöste? Im o.a. Kommentar machte Lorenz Maroldt „über die Lex Hopp und Schmähungen im Fußballstadion“ einige Ausführungen.

http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/auf-den-punkt/Hoffenheim;art15890,2621698

Verwundert wurde bemerkt, dass auf die Schmähungen gegen Herrn Hopp und Hoffenheim im Verlaufe des Spieles gegen Dortmund (Stichwort „Fadenkreuz-Transparent“) so schnell und heftig reagiert wurde. Hatte Herr Hopp etwa mehr zu leiden als z.B. Oliver Kahn, Uli Hoeneß oder Gerald Asamoah in der Vergangenheit? Die hektische Betriebsamkeit seitens des DFB, in Person von Theo Zwanziger, ließe sich eventuell damit erklären, dass Ralf Zwanziger (der Sohn vom DFB Chef) bei Hoffenheim die Frauenabteilung managet. Läst sich hiermit etwa der schnelle Aktionismus erklären? Verwunderung wurde auch durch die Anzeige von Herrn Hopp gegen den 19-Jährigen geäußert, der das Fadenkreuz-Transparent gehalten hatte.

Wie reagiert nun Hoffenheim? Gelassen über einen kritischen Kommentar im Dschungel der Nachrichtenwelt? Mitnichten. Hoffenheim entschloss sich den Tagesspiegel zu boykottieren. Herr Sieger, Pressesprecher von Hoffenheim bat den um Verständnis „dass zukünftige Anfragen des Tagesspiegel bei uns nicht mehr berücksichtigt werden.“

http://www.tagesspiegel.de/sport/Fussball-Hoffenheim-Bundesliga;art133,2625816

Hoffenheim wollte nicht den Eindruck vermitteln das man „dünnhäutig wären“ aber das Anliegen einiges Richtig zu stellen war gegeben. Dies resultiert im oben genannten Boykott der Zeitung, mit der Bitte um Verständnis.

Lorenz Maroldt konnte dieses Verständnis nicht teilen, da er Pressesprecher, die Anfragen nicht berücksichtigen wollen doch etwas seltsam fand. „Sie haben leider - eigentlich erstaunlich bei Ihrer Position - rein gar nichts verstanden. Oder Sie wollen es nicht verstehen, was die Sache aber kaum besser macht.“

Sogar der Spiegel nahm diesen Disput zum Anlass wie folgt zu kommentieren:
„Man mag den Text ungerecht finden, vielleicht sogar streckenweise ein wenig polemisch. Eines aber ist er in jedem Fall: Durch das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und das Gebot der Pressefreiheit gedeckt. Die meisten Bundesligaclubs mussten sich in ihrer Geschichte schon solch deutlicher Kritik erwehren - und das teilweise über Monate.

http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,581571,00.html

Gleich einmal das Grundgesetz inklusive der Grundrechte und Meinungsfreiheit herausgeholt. Keine kleinen Geschütze.

Selbst die honorige Zeit nahm hiervon Kenntnis und schrieb „Im Fach Souveränität jedenfalls brauchen die schnell beleidigten Hoffenheimer offensichtlich Nachhilfe. Denn Siegers Brief an den Tagesspiegel reiht sich ein in eine Serie von dünnhäutigen Hoffenheimer Reaktionen“

http://www.zeit.de/online/2008/41/medienboykott


Herr Hopp war eine Woche später Gast im DSF Doppelpass. Diese Gelegenheit griff der Tagesspiegel anlässlich der beschriebenen Zwistigkeit auf, über die Qualität der öffentlichen Berichterstattung zu philosophieren. Um es kurz zu machen, besonders gut hat das DSF nicht abgeschnitten, wie sich aus dem Titel „Wontorras Weichspielrunde“ erahnen läst. Diesmal kommentierte Markus Hesselmann mit einem lauten „Gähn!

http://www.tagesspiegel.de/sport/Fussball-Dietmar-Hopp-Hoffenheim-Bundesliga;art133,2629016

Kritisiert wurde das Fehlen konkreter Fragen zum „ "Lex Hopp", dem Versuch des Deutschen Fußball-Bundes, Schmähungen von den Stadionrängen gegen Hoffenheims Mäzen juristisch zu unterbinden. Kein Wort zu Ralf Zwanziger. Der Sohn des DFB-Chefs Theo Zwanziger arbeitet in Hoffenheim mit, während sein Vater sich in diesem Fall mit DFB-untypischer Geschwindigkeit um Beleidigungen im Stadion kümmert. Kein Wort auch zur Boykottdrohung, mit der Hoffenheim auf einen kritischen Kommentar zu diesen konkreten Themen im Tagesspiegel reagierte. In Internetforen und auf Medienseiten wurde der Fall in den vergangenen Tagen ausgiebig diskutiert. Das DSF war da wohl offline.“

Na, dafür bin ich ja online und kann Euch diese Geschichte erzählen. Zu erzählen gibt es noch das die autoritäre Gedankenwelt von Herrn Hopp im obigen Artikel kritisiert wurde „etwa wenn er Fans, die ihrem Team aus Protest im Stadion den Rücken zuwenden, mit Gewalttätern gleichsetzt.“

Dies ist aber, leider, auch nichts Neues.

Kommentare:

  1. hopp läst ja gerne mal einen zwanziger springen :-)

    AntwortenLöschen
  2. Danke für Deinen Kommentar. Nicht von schlechten Eltern, auf den Spruch hätte ich auch kommen können :-)

    Viel Spaß noch hier und schau bei Gelegenheit mal wieder rein.

    AntwortenLöschen